"Die USA haben das barbarische Regime der Taliban gestürzt, aber sie haben nicht den islamischen Fundamentalismus beseitigt"

Afghanin wirft USA Versagen in ihrem Land vor

N24-TV empfangen, 18. September 2007

Malalai Joya
"Wir brauchen Hilfe, aber keine Besatzung," sagt Joya - und kritisiert die US-Truppen scharf. Foto: rtr

Die afghanische Frauenrechtlerin Malalai Joya hat eine vernichtende Bilanz des Einsatzes der internationalen Truppen in ihrem Land seit dem Sturz des Taliban-Regimes gezogen. "Die USA haben das barbarische Regime der Taliban gestürzt, aber sie haben nicht den islamischen Fundamentalismus beseitigt", sagte die 28-jährige Abgeordnete im afghanischen Parlament am Dienstag in Berlin.

Ihr Land sei in der katastrophalen Lage, dass ein Abzug der ausländischen Soldaten einen Bürgerkrieg zwischen Taliban und Nord-Allianz, die Fortsetzung der Militäreinsätze eine weitere Gewaltspirale und die Unterdrückung der Bevölkerung bedeuten würde.

Während der Taliban-Herrschaft hatte Joya in Afghanistan ein Waisenhaus und eine Klinik aufgebaut. Sie leitet auch eine nichtstaatliche Organisation zur Förderung von Frauen. Internationales Aufsehen erregte sie im Dezember 2003, als sie sich während der Debatte über die neue Verfassung in der Loya Jirga die Vorherrschaft von Stammesführern anprangerte. Der Vorsitzende der Versammlung beschimpfte sie daraufhin als "Ungläubige" und "Kommunistin".

In der Bevölkerung ist Joya dagegen populär. Im September 2005 wurde sie in der westafghanischen Provinz Farah mit der zweithöchsten Stimmenzahl ins Parlament gewählt. Trotz zahlreicher Todesdrohung erhalten und eines Bombenangriffs auf ihr Haus setzte sie sich weiterhin gegen eine Berufung ehemaliger Warlords in die Regierung ein.

In diesem Mai stimmten die Abgeordneten dafür, Joyas Mandat für drei Jahre auszusetzen, nachdem sie das Parlament als "Zoo" bezeichnet hatte. Sie habe damit gegen einen Gesetzesartikel verstoßen, der es den Abgeordneten verbiete, sich gegenseitig zu kritisieren. Joya sprach daraufhin von einer "politischen Verschwörung" gegen sie. (nz/dpa)