»Ich glaube, daß die Frauen eines Tages aufstehen«Nach über zehn Jahren Besatzung in Afghanistan überlebte sie den sechsten Mordanschlag. Ein Gespräch mit Malalai Joya
Junge Welt, 16.03.2012
Malalai Joya wurde als jüngste Parlamentarierin Afghanistans weltberühmt. Aufgrund ihrer Kritik an Besatzung, Regierung und Warlords muß sie in wechselnden Verstecken leben. Am 10. März haben Sie den sechsten Mordversuch überlebt. Können Sie uns einen kurzen Bericht über den Angriff geben? Einen Tag nach meinem Besuch in Farah wurde mein Büro von zwei bewaffneten Männern angegriffen. Als meine Wachen sich wehrten, eröffneten die Angreifer das Feuer, bei dem meine Mitarbeiter Schußwunden erlitten. Einerseits ist dieser Angriff relativ unbedeutend für mich, angesichts des enormen Leidens meiner Landsleute. Meine Sorge gilt meinen Leibwächtern, die einfache Menschen sind und mich aus freiem Willen beschützen. Aber diese terroristischen Angriffe werden mich nie davon abhalten, für Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit zu kämpfen. LINKE verurteilt Attentat auf Frauenrechtlerin Malalai Joya in AfghanistanLINKE verurteilt Attentat auf Frauenrechtlerin Malalai Joya in Afghanistan Die-Linke, 12.3.2012
„DIE LINKE verurteilt den kriminellen Mordanschlag auf die international bekannte Frauenaktivistin und prominente Kritikerin der ISAF-Präsenz, Malalai Joya, für die ich seit Jahren als Patin im Parlamentarier-schutzprogramm des Menschenrechtsausschusses des Deutschen Bundestags verantwortlich bin und die bereits mehrere Male zu Gast im Deutschen Bundestag war", so Heike Hänsel, entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, anlässlich des sechsten Attentats auf die Frauenrechtlerin und Politikerin Malalai Joya und dem gewalttätigen Angriff auf ihr Büro, bei dem zwei ihrer Mitarbeiter zum Teil schwer verletzt wurden. Hänsel weiter: Malalai Joya: »Es ist auch ein Propagandakrieg«Die NATO agiert in Afghanistan aufgrund ihrer eigenen geostrategischen und politisch-ökonomischen Interessen. Die Fragen stellte Christian Stache, marx21.de, 23.05.11 ![]() Malalai Joya ist die jüngste Parlamentarierin Afghanistans. Aufgrund ihrer Kritik an der Besatzung, dem Karzai-Regime und den Warlords muss sie mittlerweile im Untergrund leben. Die afghanische Oppositionelle Malalai Joya kämpft seit Jahren gegen die Besetzung ihres Landes. Ein Gespräch über westliche Heuchelei, Erwartungen an die deutsche Linke – und einen Schuh für Obama. marx21: Ende Januar hat die Mehrheit des deutschen Bundestags für die einjährige Verlängerung des Bundeswehrmandats in Afghanistan gestimmt. Wie fällt Ihre Bilanz nach bald zehn Jahren Krieg und Besetzung aus? Malalai Joya: Die Ergebnisse dieses Kriegs sind Massaker, Blutvergießen, Tragödien und Leid. Die Geschichte hat bereits gezeigt, dass niemand Demokratie durch Besetzung bringen kann. Unglücklicherweise ist mein Land im Namen der Frauen- und Menschenrechte und der Demokratie nach dem 11. September besetzt worden. Die Taliban wurden zwar durch Warlords ersetzt, aber sie unterscheiden sich weder praktisch noch ideologisch wesentlich voneinander. Die vergangenen neun Jahre zeigen, dass die USA nur die Köpfe ausgetauscht haben. Malalai Joya: Das andere AfghanistanKonferenz der Linksfraktion in Berlin warb für Stärkung demokratischer Kräfte in Afghanistan DIE LINKE, 28. Januar 2011
Mit dem Appell, die zivilen, demokratischen Friedenskräfte in Afghanistan zu unterstützen, ist am Samstag abend die Internationale Konferenz »Das andere Afghanistan« der Bundestagsfraktion Die Linke in Berlin zu Ende gegangen. Erklärtes Ziel war es, authentische Stimmen aus Afghanistan zu hören und einen Dialog von Friedenskraften in dem Land zu unterstutzen. Die Linksfraktion hatte zuvor geschlossen gegen die Verlängerung des Mandats für den Bundeswehreinsatz am Hindukusch gestimmt. »Krieg ist die höchste Form des Terrorismus«, sagte der Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi zum Konferenzauftakt. »Man muß nur die richtigen Kräfte unterstützen, dann werden sie sich selbst befreien.« Die ehemalige Abgeordnete und Frauenrechtlerin Malalai Joya kritisierte den NATO-Krieg scharf: »USA und NATO fielen in Afghanistan angeblich für die Rechte der Frauen ein, aber heute ist die Situation der Frauen genauso katastrophal, wie unter der Herrschaft der Taliban. Vergewaltigungen, Entführungen, Morde, Säureattentate und häusliche Gewalt steigen rapide an. (…) Viele Menschen fragen mich, wie sie die Frauen in Afghanistan unterstützen können. Erstens, Krieg wird Frauen niemals helfen. Zweitens wir haben die Chance, dass sich afghanische Frauen selbst befreien und progressive Männer uns helfen werden. (…) TIME Magazine spielt falsches Spiel und unterschlägt ihre BotschaftInterview mit der afghanischen Friedensaktivistin Malalai Dschoja (Joya)
von Sonali Kolhatkar, AlterNet / ZNet, 04.05.2010
3. Mai 2010. Malalai Dschoja, die afghanische Aktivistin und ehemalige Abgeordnete des Afghanischen Parlamentes nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie zählt zu den lautesten Gegnern des Krieges der USA und der Nato in Afghanistan. In einem aktuellen Artikel (1) forderte sie die USA auf: "Hört auf, meine Leute zu töten". Vor nahezu drei Jahren wurde Dschoja aus dem Afghanischen Parlament ausgeschlossen, weil sie die Herrschaft der Warlords angeprangert hatte. Seither muss sie um ihr Leben fürchten. Sie hat mehrere Mordanschläge überlebt. Dennoch will sie weiterhin in Afghanistan leben. Ihre Memoiren 'A Woman Among Warlords' (2), die sie mit Unterstützung von Derrick O'Keefe verfasst hat, sind Ende vergangenen Jahres bei Simon and Schuster erschienen. In der vergangenen Woche setzte das TIME Magazine Dschoja auf seine Liste der 100 einflussreichsten Personen des Jahres 2010 ("100 Most Influential People" (1)). Am 3. Mai konnte ich Malalai Dschoja für ein Interview gewinnen. Sie sprach mit mir per Satellitentelefon aus Afghanistan. »Wir sagen Nein zu noch mehr Truppen«Malalai Joya: ich werde nicht müde zu wiederholen, daß keine Nation eine andere Nation »befreien« kann. Von Malalai Joya, Die junge Welt, 26. Februar 2010
Aus der Rede von Malalai Joya auf der Demonstration gegen den Afghanistan-Krieg am 20. Februar in Berlin. Die 31jährige Afghanin war Ende 2003 international bekannt geworden, als sie vor der Loya Jirga, der verfassungsgebenden Versammlung in Afghanistan, die Anwesenheit von Warlords und Kriminellen in der Regierung kritisierte. Sie wurde aus der Versammlung entfernt und lebt unter ständiger Bedrohung in Afghanistan. Bei den Parlamentswahlen 2005 errang sie in der Provinz Farah ein Abgeordnetenmandat. 2007 wurde sie wegen ihrer kritischen Haltung gegenüber der Regierung Hamid Karsais und der NATO-geführten Besatzung aus dem Parlament ausgeschlossen. Im vergangenen Jahr erschien im Piper-Verlag ihr Buch »Ich erhebe meine Stimme. Eine Frau kämpft gegen den Krieg in Afghanistan«. |







